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All compositions by Tony Oxley, Phil Wachsmann, Pat Thomas,
Matt Wand
(P.R.S. / MCPS)
Recorded live during the ´Total Music Meeting´
in Berlin on Nov 5, 1999
Produced by Tony Oxley & Jost Gebers (executive producer)
Liner Notes: Bert Noglik
Translation: Isabel Seeberg / Paul Lytton
Artwork: Tony Oxley
Design/Layout: Klaus Untiet (wppt:kommunikation, wuppertal)
Photo: Ingo Scheffler
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I take pleasure in presenting this first release of
the newly established label a/l/l, a division of FMP FREE
MUSIC PRODUCTION Distribution & Communication, which
will continuously present marking stones of free improvised
music.
Helma Schleif
What's New?
Unerschütterlich eingeschrieben in das Real Book des
Jazz: ein Titel überschrieben "What´s New?"
Wie häufig nimmt das Neue etablierte Formen an... Wie
oft bleibt es unentdeckt, weil es sich nicht propagandistisch
mitteilt. Für die stillen musikalischen Revolutionen
bedarf es sensibler Gehörgänge. Was mit der Kraft
des Plötzlichen neu und unerwartet tönt, löst
zumeist Protest oder emphatische Begeisterung aus, polarisiert
und wird im allgemeinen leichter wahrgenommen als feine
Veränderungen. Beides gehört zum Prozess musikalischer
Entwicklung: die Geste des Umbruchs und die mit Langzeitenergie
vorgenommene Ausgestaltung des Neuen. (...)
Im B.I.M.P. Quartett treffen Tony Oxley und Phil Wachsmann,
zwei Musiker der Pionier-Generation improvisierter Musik,
mit zwei jüngeren zusammen, die von anderen Sounds
geprägt und inspiriert wurden: Pat Thomas und Matt
Wand. Was entsteht ist Balance - nicht im Sinne proportionaler
Ausgewogenheit, sondern in Gestalt einer vitalen Gruppendynamik.
Gemeinsam entwickeln die Vier unüberhörbar einen
eigenen Ensemble-Klang. (...)
Das B.I.M.P. Quartett setzt Tony Oxleys frühe, langjährige
und unkonventionelle Beschäftigung mit Live-Electronics
fort. Als "Komponist" verteilt er die ehemals
von ihm in Personalunion realisierten Funktionen innerhalb
der Gruppe. Doch auch dabei können sich wechselnde
Mischungs- und Spannungsverhältnisse ergeben. Während
Matt Wand als uneingeschränkter Spezialist für
Electronics agiert, vermögen Phil Wachsmann und Pat
Thomas zwischen akustischen und elektronischen Wirkungen
zu changieren. In dichter Kommunikation entstehen komplexe
Strukturen mit wechselnden Texturen aus Percussion, Strings
(Violine, piano) und Electronics.
Einerseits wirkt entfernt, insbesondere bei Phil Wachsmann
und manchmal bei Pat Thomas, eine post-Webernsche Vorstellung
im Umgang mit dem Material fort. Andererseits entsteht eine
spezielle Bewegungsenergie, die sich von Kompositions- und
Spielhaltungen in Neuer Musik grundlegend unterscheidet.
Neben kontemplativen Passagen gibt es musikalische Qualitäten,
die sich mit ´Drive´ beschreiben lassen und
die mit körperlichem Erleben von Zeit bzw. des Musizierens
in der Zeit zu tun haben. Electronics, wie sie von Matt
Wand genutzt werden, verweisen auf avantgardistischen Umgang
mit Klangdimensionen der Jugendkultur und öffnen diese
Musik zugleich für eine jüngere Zuhörerschaft,
indem sie an deren Hörerfahrungen anknüpft.
Ohne den bereits in den Anfangsjahren entwickelten Anspruch
aufzugeben, gelingt es Tony Oxley mit den Mitgliedern des
B.I.M.P. Quartetts, Improvisation in Korrespondenz zum aktuellen
Klanggeschehen zu entfalten, ohne dem Zeitgeist hinterher
zu rennen. Improvisierte Musik englischer Herkunft assoziiert
sich in der Vorstellungswelt mancher mit musikalisch monochromer
Askese und puristischer Reduktion der Ausdrucksmittel. Ganz
abgesehen davon, dass es sich dabei weitgehend um Klischees,
also um die Verfestigung von vorgefassten Denkmustern handelt,
demonstriert das B.I.M.P. Quartett Konzentration auf das
Wesentliche wie auch, besonders in ´Streamline´,
eine überraschende Sinnesfreude. Der Umgang mit Samples
gerät dabei nicht zu einem kabarettistischen Spiel
mit Zitaten, obwohl eine hintergründige Persiflage
europäischer Klassik unüberhörbar bleibt.
Das Nebeneinander unterschiedlichen Materials erinnert an
Traditionslinien, die zu John Cage und weiter zu den Dadaisten
zurückreichen. Zur Musikalität des B.I.M.P. Quartetts
zählt die Integration all dieser Elemente wie auch
des Humor in einen ernsthaften improvisatorischen Gesamtzusammenhang.
In der Dialektik von Minimalismus und Komplexität,
Intellekt und Sinnlichkeit offenbart sich eine Klangästhetik,
die Aspekte Neuer Musik und freier Improvisation, des Jazz
und zeitgenössischer Electronica integiert, dabei aber
über die von ihr aufgenommenen Traditionslinien und
die existierenden Kategorien hinausweist.
Bert Noglik
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